Geschäftsbericht 2014 Geschäftsbericht 2014
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Ziele und Strategien des Merck-Konzerns

Merck hat im Jahr 2007 einen Transformationsprozess begonnen, der zum Ziel hat, die Zukunft mit profitablem Wachstum in hochspezialisierten Nischenmärkten in den heutigen Unternehmensbereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials zu sichern.

Am Anfang dieses Prozesses standen die beiden großen Akquisitionen der Serono SA und der Millipore Corporation in den Jahren 2007 und 2010. Mit einem neuen Führungsteam hat Merck im Jahr 2011 das Transformations- und Wachstumsprogramm „Fit für 2018“ gestartet. In der ersten Phase hat das Unternehmen mit dem Umbau der globalen Führungsorganisation sowie einem das gesamte Unternehmen umfassenden Effizienzsteigerungsprogramm die Basis für profitables Wachstum gelegt. Die 2014 begonnene zweite Phase zielt darauf ab, identifizierte Wachstumsoptionen sukzessive umzusetzen, mit dem Ziel, drei starke Plattformen für nachhaltig profitables Wachstum aufzubauen. Merck baut dabei auf seine Kernkompetenzen:

  • Nähe zu den bestehenden Geschäften
  • Innovationsstärke
  • Kundennähe (bis hin zu maßgeschneiderten Lösungen)
  • Fokus auf Spezialgeschäfte

Darüber hinaus strebt Merck an, sein Geschäftsmodell systematisch und kontinuierlich mit neuen Technologien und Partnerschaften zu erweitern. Im abgelaufenen Jahr 2014 wurden drei wichtige Meilensteine in der Umsetzung der Konzernstrategie erreicht:

  • Mit der im Mai abgeschlossenen Übernahme von AZ Electronic Materials konnten Produktbasis und Kundenangebot durch neue Technologien erweitert werden.
  • Durch die Ankündigung der geplanten Übernahme von Sigma-Aldrich im September wurde der Grundstein dafür gelegt, die Position in der attraktiven Life-Science-Industrie zu stärken. Ziel des geplanten Zusammenschlusses ist, den Kunden ein breiteres Angebot an Produkten und Dienstleistungen sowie die führende E-Commerce-Plattform in der Industrie zur Verfügung zu stellen.
  • Mit der im November bekanntgegebenen Vereinbarung einer strategischen Allianz mit Pfizer über Anti-PD-L1 will Merck die eigene Präsenz in der Immunonkologie vorantreiben, indem Stärken und Kompetenzen der beiden Unternehmen im hart umkämpften Anti-PD-1- / Anti-PD-L1-Bereich gebündelt werden. Geplant ist, im Jahr 2015 bis zu 20 klinische Immunonkologie-Entwicklungsprogramme zu starten, darunter auch bis zu sechs zulassungsrelevante Studien. Die Allianz hat zudem das Potenzial, über die gemeinsame Vermarktung von Xalkori® den Zugang von Merck zum US-Onkologie-Markt zu beschleunigen.

Der strategischen Agenda und der Fokussierung auf drei Wachstumsplattformen entsprechend hat sich Merck zum 1. Januar 2015 organisatorisch neu aufgestellt. Die bisherigen vier Sparten wurden von drei Unternehmensbereichen abgelöst:

  • Healthcare umfasst die Geschäfte Merck Serono, Consumer Health, Allergopharma und Biosimilars.
  • Life Science beinhaltet das Geschäft Merck Millipore.
  • Performance Materials entspricht dem gleichnamigen Geschäft.

Der strategische Wandel hin zu hochwertigen und innovativen Lösungen in den Bereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials lässt sich auch an der Zusammensetzung der Umsätze ablesen: Innerhalb des Unternehmensbereichs Healthcare erwirtschaftet Merck Serono heute mehr als 65 – 70 % seiner Umsatzerlöse mit biotechnologischen Arzneimitteln. 2006 stand hier nur ein Produkt: Erbitux® mit einem Anteil an den Umsatzerlösen von weniger als 10 %. Aus dem klassischen Chemiegeschäft ist immer mehr ein Premiumgeschäft mit Materialien und einer Vielzahl weiterer wertschaffender Angebote für die Kunden von Merck geworden. Heute machen Hightech-Materialien und Life-Science-Tools rund 80 % der Umsatzerlöse in den Bereichen Life Science und Performance Materials aus. Im Jahr 2006 waren es etwa 30 %.

Allgemeine Grundsätze & Konzernstrategie

Das Jahr 2018 markiert das 350-jährige Jubiläum von Merck. Die dem Transformations- und Wachstumsprogramm „Fit für 2018“ zugrunde liegenden allgemeinen Grundsätze und die Konzernstrategie sollen auch nach 2018 als Kompass dienen.

Allgemeine Grundsätze

Merck orientiert sich bei seinen Geschäftsaktivitäten an allgemeinen Grundsätzen. Sie dienen allen Verantwortlichen des Unternehmens als Orientierung bei ihren strategischen Überlegungen und Entscheidungen.

Die Gesellschaftsstruktur der Merck KGaA mit Mitgliedern der Merck-Familie als persönlich haftenden Gesellschaftern verpflichtet die Merck-Geschäftsleitung, deren Mitglieder ebenfalls persönlich haftende Gesellschafter sind, dazu, ein besonderes Augenmerk auf die langfristige Wertentwicklung zu legen. Daher spielt Nachhaltigkeit bei Merck eine besondere Rolle. Ziel ist es, die langfristige Entwicklung des Unternehmens mit berechtigten Interessen der Aktionäre in Einklang zu bringen, die für ihre Beteiligung an Merck oftmals kürzere Zeitfenster einplanen. Daher soll das Geschäftsportfolio von Merck stets so ausbalanciert sein, dass es eine optimale Mischung zwischen unternehmerischen Chancen und Risiken widerspiegelt. Dies erreicht Merck zum einen durch eine Diversifizierung in die Unternehmensbereiche Healthcare, Life Science und Performance Materials sowie durch die geografisch breit gestreuten Wachstumsquellen.

Der Grundsatz der Nachhaltigkeit gilt für Merck jedoch nicht nur für wirtschaftliche Aspekte. Vielmehr schließt er auch die gesellschaftliche Verantwortung sowie den Schutz der Umwelt mit ein. Merck will mit seinem bestehenden und künftigen Produktportfolio einen Beitrag dazu leisten, globale Herausforderungen zu lösen und eine nachhaltige Zukunft zu gestalten. Auch deshalb ist Innovation die Basis der Geschäftstätigkeit des Unternehmens – sie ist die Grundvoraussetzung für künftiges Wachstum. Merck arbeitet beständig an innovativen Produkten und Dienstleistungen für Kunden und Patienten und verbindet dies mit einem kontinuierlichen Prozess interner Innovation in allen Bereichen des Unternehmens.

Konzernstrategie

Im Fokus der Geschäftsaktivitäten von Merck stehen hochwertige und innovative Spezialprodukte in den Unternehmensbereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials. Ziel von Merck ist es, nachhaltiges und profitables Wachstum organisch, durch die Weiterentwicklung bestehender Kompetenzen, zu erreichen, aber auch durch gezielte Akquisitionen, die das bisherige Kompetenzfeld sinnvoll ergänzen beziehungsweise erweitern. Aufbauend auf den starken Produkten in allen Geschäften will Merck Erträge erzielen, die weitgehend unabhängig vom jeweiligen Konjunkturzyklus sind. Darüber hinaus ist es das Ziel, die starke Marktposition in den Emerging Markets mittel- und langfristig weiter auszubauen. Im Jahr 2014 haben die Emerging Markets bereits 38 % zu den Umsatzerlösen des Konzerns beigetragen.

Strategische Initiativen

Kompetenzinitiativen

Auch wenn Merck immer größer und das Geschäft immer globaler wird: Wir wollen EIN Unternehmen Merck bleiben: ONE Merck steht dabei nicht nur für eine starke Marke, sondern auch für ein leistungsorientiertes globales Unternehmen mit einem ausgeprägten „Wir-Gefühl“. Merck ist mehr als die Summe seiner Einzelteile. Dafür hat Merck vier konzernweite Kompetenzinitiativen gestartet:

Die Kompetenzinitiative EINE Marke Merck zielt darauf ab, die globale Wahrnehmung und Reputation der Marke Merck zu steigern und die Attraktivität des Unternehmens für Kunden, Partner und potenzielle Mitarbeiter zu erhöhen.

Auch der Rahmen für die Personalentwicklung, die Vergütung und das Leistungsmanagement soll weltweit vereinheitlicht werden (EIN Rahmen für Personalentwicklung, Vergütung und Leistungsmanagement). Im Rahmen dieser Initiative wird Merck unter anderem einen konsistenten, integrierten Personalentwicklungs- und Leistungsmanagement-Prozess aufsetzen und die Kompetenzen im Unternehmen durch eine aktive Identifizierung und Rekrutierung von hochqualifizierten Nachwuchskräften sowie durch Vielfalt in der Belegschaft verbreitern.

Ziel der dritten Kompetenzinitiative EIN Rahmen für Prozessharmonisierung, Standardisierung und Exzellenz ist es, Prozesse besser aufeinander abzustimmen und stärker zu vereinheitlichen. Dies gilt insbesondere für den Bereich Softwareanwendungen. Durch ein fortlaufendes Benchmarking soll ein ständiger Verbesserungsprozess stattfinden. So soll sichergestellt werden, dass Merck schnell auf Veränderungen in den Geschäften reagieren kann und künftige Akquisitionen nahtlos und effizient in das Unternehmen integriert werden können.

Auch die Konzernzentrale in Darmstadt soll noch an Bedeutung gewinnen – im Sinne EINER globalen Unternehmenszentrale. Merck in Darmstadt soll ein zentraler Ort der Kreativität, des Wissensaustauschs und der Innovation werden. Mit der Grundsteinlegung eines modularen Innovationszentrums hat Merck im Jahr 2014 die Basis für die funktions- und geschäftsübergreifende Zusammenarbeit in Projekten gelegt.

Geschäftsinitiativen

Merck hat darüber hinaus eine Reihe von Geschäftsinitiativen aufgesetzt, um das bestehende Portfolio auszubauen sowie neue Geschäftschancen zu erschließen. Folgende Initiativen sind dabei von wesentlicher Bedeutung:

Biosimilars

Merck will seine Expertise bei der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von hochwertigen biotechnologischen Arzneimitteln nutzen, um ein wettbewerbsfähiges Biosimilars-Portfolio aufzubauen. Der Fokus liegt auf der Entwicklung von Molekülen durch eigene Forschung und Entwicklung sowie durch Partnerschaften.

Research & Development Merck Serono

Merck Serono hat ein stärker unternehmerisch geprägtes Forschungsmodell eingeführt, um die Leistungsdynamik im Bereich Research & Development zu erhöhen. Basierend auf Translationalen Innovationsplattformen (TIPs) will Merck Serono – unterstützt von einem unabhängigen Gremium externer Experten – eine langfristige Planung und eine unternehmerische Einstellung fördern (siehe auch unten).

OLED

Die weltweite Führungsrolle bei Display-Materialien will Performance Materials künftig weiter ausbauen. Merck geht davon aus, dass die OLED-Technologie in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Daher investiert Performance Materials in die Entwicklung eines umfassenden OLED-Portfolios. Bis 2018 will Merck ein führender Anbieter von OLED-Materialien sein.

Geschäftsstrategien

Unternehmensbereich Healthcare

Merck Serono

Merck Serono will ein weltweit geschätzter und dauerhaft engagierter biopharmazeutischer Partner werden, der durch innovative Spezialmedikamente, führende Marken und hochwertige Lösungen merkliche Veränderungen im Leben seiner Patienten bewirkt. Die Nachfrage nach Merck-Serono-Produkten wird von weltweiten Megatrends wie dem globalen Bevölkerungswachstum und einer allgemein höheren Lebenserwartung der Menschen gestützt. Merck Serono ist für nachhaltiges Wachstum gut positioniert.

Die erste Säule der Merck-Serono-Strategie ist es, Innovationen weltweit bereitzustellen. Dabei wurde der Entscheidungsprozess bezüglich des Portfolios verbessert und eine rigorose Priorisierung bei den Projekten umgesetzt. Der Zeitrahmen zwischen Phasenübergängen wurde dadurch verkürzt. Mit der Entwicklung von Biomarkern für bessere Therapieergebnisse bei den Patienten, der Fokussierung auf ausgewählte Haupttherapiegebiete und der Schaffung translationaler Innovationsplattformen hat Merck Serono die Effizienz seiner Forschung und Entwicklung verbessert. Dabei verfolgt Merck Serono drei Entwicklungsprogramme mit Priorität: Atacicept in der Immunologie, Evofosfamide (TH-302) in der Onkologie und Avelumab (Anti-PD-L1-Antikörper) in der Immunonkologie. Letzteren Kandidaten wird Merck Serono mit Pfizer als potenzielle Behandlung für unterschiedliche Tumorarten entwickeln und vermarkten.

Die zweite Säule der Merck-Serono-Strategie ist es, das bestehende Portfolio in den entwickelten Märkten optimal zu nutzen. Im Therapiegebiet Multiple Sklerose will Merck Serono seine führende Marktposition halten und dazu innovative Gesamtlösungen aus Arzneimitteln, Geräten und Dienstleistungen anbieten, die Patienten bei der Bewältigung ihrer Erkrankung unterstützen. So soll das Potenzial von Rebif®, dem umsatzstärksten Produkt von Merck Serono, in einem immer wettbewerbsintensiveren Markt für Multiple-Sklerose-Therapeutika voll ausgeschöpft werden; zudem soll es als beste interferonbasierte Therapieoption für Patienten, die unter der schubförmig verlaufenden Form der Krankheit leiden, positioniert werden. Die Differenzierung vom Wettbewerb soll über intelligente Injektionsgeräte und die erste elektronische Informations- und Kommunikationsplattform zu Multipler Sklerose vorangetrieben werden. Im Therapiegebiet Fruchtbarkeitsmedizin liegt der Fokus darauf, die Marktführerschaft auszubauen und innovative Dienstleistungen und Technologien anzubieten, die über Arzneimittel hinausgehen. Im Bereich Onkologie setzt Merck Serono, vor allem in Europa und Japan, auf den Nutzen von Erbitux® in der personalisierten medizinischen Behandlung und unterstreicht die Relevanz eines vollständigen RAS-Diagnosetests für Patienten, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten. Merck Serono will zudem seine Fähigkeit sicherstellen, in diesen innovationsintensiven Märkten erfolgreich Produkte einzuführen. Durch die Vermarktungskooperation mit Pfizer bei Xalkori® betritt Merck Serono den US-amerikanischen Onkologiemarkt und bereitet sich so zugleich auf die zukünftige Einführung des Anti-PD-L1-Antikörpers vor.

Die dritte Säule der Merck-Serono-Strategie ist es, in den Emerging Markets weiter zu expandieren. Angesichts einer wachsenden Mittelschicht, besserer Gesundheitsversorgung, einer Verschiebung der Krankheitslast hin zu chronischen Erkrankungen sowie der steigenden Nachfrage nach biologischen Arzneimitteln ist diese Region ein Hauptwachstumstreiber für Merck Serono: Im Zeitraum von 2011 bis 2013 wurden hier über 60 % des organischen Wachstums erzielt. In den Emerging Markets implementiert Merck Serono Wachstumsinitiativen in den Bereichen Allgemeinmedizin und Facharzttherapiegebiete, um spezifische Bedürfnisse zu bedienen, wobei vorhandene Kompetenzen und lokale Vertriebskanäle genutzt werden: So erweitert Merck Serono zum Beispiel die Reichweite und Tiefe seiner Marketingaktivitäten in China, baut sein Portfolio über regionale und lokale Lizenzierungen aus und unterstützt die Marktentwicklungen im Therapiegebiet Fruchtbarkeitsmedizin. Merck Serono setzt außerdem auf ausgewählte Investitionen und Wachstum seiner Hauptmarken durch neue Formulierungen (Euthyrox® oder Glucophage®), Kombinationspräparate mit fixer Dosierung (Concor®) und Geräte (Saizen®). Merck Serono ist darauf bedacht, die Vermarktung von Merck-Produkten in den Konzern rückzuübertragen, wo die Produkte bisher von Partnern oder in Zusammenarbeit mit Partnern vermarktet werden. Zudem erweitert Merck Serono den Fokus seines Portfolios um Wachstumsinitiativen bei Biologika.

Biosimilars

Das Biosimilars-Geschäft hat sich dem Ziel verschrieben, mehr Menschen weltweit Zugang zu hochwertigen Biopharmazeutika zu ermöglichen. Die Einheit entwickelt ein Biosimilars-Portfolio mit Schwerpunkt auf Onkologie und entzündlichen Erkrankungen und stützt sich dabei sowohl auf internes F&E-Knowhow zu biologischen Arzneimitteln als auch auf Partnerschaften mit anderen Akteuren aus diesem Bereich. Der Beginn der Phase-III-Studien ist ab 2015 / 2016 vorgesehen. Biosimilars sind ein attraktiver Markt, in dem Merck gut aufgestellt ist, da das Unternehmen auf vorhandene Stärken und Kompetenzen über die Biosimilars-Wertschöpfungskette hinweg aufbauen kann; dazu zählen die Fähigkeiten, interne Ressourcen zu nutzen oder Kapazitäten von Lieferanten zu beschaffen, um die Einhaltung regulatorischer Vorgaben zu gewährleisten, den Marktzugang über Schlüsselmärkte wie die Emerging Markets hinweg sicherzustellen, bestehende Produktionskapazitäten flexibel zu nutzen sowie einen maßgeschneiderten Go-to-Market-Ansatz anzunehmen. Merck hat zudem strategische Allianzen mit Dr. Reddy’s in Indien zur gemeinsamen Entwicklung mehrerer Krebsmedikamente und mit Bionovis in Brasilien zur Versorgung des brasilianischen Marktes mit biologischen Pharmaprodukten im Rahmen der Richtlinie zur Partnerschaft zur Produktentwicklung (Product Development Partnership, PDP) des brasilianischen Gesundheitsministeriums vereinbart.

Diese sollen um eine noch ungenannte Einlizenzierungsvereinbarung für ein Biosimilar der Spätphase erweitert werden.

Allergopharma

Der Markt für kausale Allergie-Therapieprodukte ist ein globaler Wachstumsmarkt. Das von Marktbeobachtern erwartete weltweite Wachstum kommt dabei zum einen von der zunehmenden Anzahl von Allergikern, zum anderen basiert es auf der steigenden Verbreitung der Spezifischen Immuntherapie in vielen Schwellenländern. Allergopharma ist Hersteller von Diagnostika und verschreibungspflichtigen Präparaten für die spezifische Immuntherapie (SIT). Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung, Desensibilisierung, Allergieimpfung) ist die einzige kausale Therapiemöglichkeit, Allergien gegen nicht vermeidbare Allergene zu behandeln. Die SIT wird überwiegend von allergologisch tätigen Fachärzten wie HNO-Ärzten, Dermatologen, Kinderärzten und Pneumologen durchgeführt. Mit der eigenen Forschungsabteilung und in Kooperationen mit Forschungsinstituten und anderen Partnern trägt Merck zu einem besseren Verständnis des immunologischen Mechanismus bei, der sich hinter der Entwicklung von Allergien verbirgt, und arbeitet aktiv an der nächsten Generation von Präparaten für die spezifische Immuntherapie. Die für 2016 geplante Produktionserweiterung in Reinbek bei Hamburg ist eine Kapazitätserweiterung, die dazu dient, die globale Expansion voranzutreiben und den immer schärfer werdenden Anforderungen an Herstellungsstandards gerecht zu werden. Wie bisher sollen hier unter sterilen Bedingungen Präparate zur Diagnose und Therapie von Typ-1-Allergien wie Heuschnupfen oder allergischem Asthma hergestellt werden.

Consumer Health

Consumer Health hat im Rahmen umfassender strategischer Interventionen in den Jahren 2012 und 2013 die interne Organisation neu aufgestellt und zugleich die Fokussierung auf die Kernmarken und besonders attraktive Zielmärkte vorangetrieben. Im Jahr 2014 hat Consumer Health das Augenmerk noch stärker auf Wachstum gelegt, insbesondere in den aufstrebenden Märkten in Lateinamerika und Südostasien. Als Resultat konnte Consumer Health mit 5,4 % ein organisches Umsatzwachstum deutlich über dem allgemeinen Marktwachstum verzeichnen. Hierfür verfolgt das Unternehmen eine klare Strategie: Ziel ist es, bis zum Jahr 2021 den Marktanteil von Consumer Health in jedem seiner 20 wichtigsten Märkte (unter anderem Frankreich, Mexiko, Brasilien, Deutschland, Indonesien, Indien und Großbritannien) auf mindestens 3 % auszubauen und dabei zumindest mit je drei Marken in Spitzenpositionen präsent zu sein.

Ein wichtiger Meilenstein im Rahmen dieser Strategie war 2014 der Transfer der Marken Neurobion® und Floratil® von Merck Serono zu Consumer Health. Neurobion® ist eine global führende Marke im Vitamin-B-Segment und Floratil® ist eine in Brasilien führende Marke im Segment der probiotischen Antidiarrhoika. Beide Marken haben nach der Verlagerung in den Verantwortungsbereich von Consumer Health im Jahr 2014 bereits ihr Potenzial unter Beweis gestellt, sich in den Kernmärkten noch stärker an Wünschen und Bedürfnissen von Verbrauchern auszurichten. So hat sich das Wachstum von Floratil im Hauptmarkt Brasilien mehr als verzehnfacht. Weitere wichtige Komponenten bei der Umsetzung der „3 x 3“-Strategie sind die geografische Expansion mit bestehenden Marken in neue Märkte, wie aktuell die Markteinführung von Bion® in Brasilien, sowie gegebenenfalls anorganisches Wachstum durch taktische Akquisitionen und Produktzukäufe, sofern diese in die strategische Ausrichtung passen.

Unternehmensbereich Life Science

Merck Millipore

Merck Millipore ist einer der führenden Akteure in der Life-Science-Tools-Industrie. Das Geschäft ist global aufgestellt und bedient Kunden aus zwei breitgefächerten Untersegmenten mit unterschiedlichen Bedürfnissen: die Laborbranche und Kunden aus der biopharmazeutischen Industrie. In der Laborbranche stützt sich die Strategie auf drei Erfolgsfaktoren: ein breites und attraktives Produktportfolio, eine einfache Kundenschnittstelle und eine Organisation, die komplexe Anforderungen bewältigen kann, zum Beispiel ein Portfolio mit über 70.000 Produkten für mehr als eine Mio Kunden zu managen. Im Geschäft mit der biopharmazeutischen Industrie setzt Merck Millipore auf folgende drei Schlüsselfaktoren: einen technisch orientierten Außendienst, eine Produkttiefe in entwickelten Märkten sowie ein breitgefächertes Portfolio in Schwellenländern.

Merck Millipore wird sich in den Wachstumsregionen auf die Ausweitung seiner Präsenz im Laborbereich und in Nordamerika auf den Gewinn von Marktanteilen konzentrieren. Merck Millipore hat es sich zum Ziel gesetzt, weiterhin stärker als der Markt zu wachsen und dazu bei den Prozesslösungen und wichtigen Laborgeschäften das Wachstum beschleunigt voranzutreiben. Dazu sind auch weiterhin überdurchschnittliche Investitionen in Forschung und Entwicklung beabsichtigt, um Spitzenreiter bei Innovationen zu bleiben, die zum einen die Bedürfnisse von Kunden erfüllen und zum anderen für nachhaltiges und profitables Wachstum sorgen. Durch die geplante Übernahme von Sigma-Aldrich würde einer der führenden Anbieter in der Life-Science-Industrie entstehen. Sie würde Schlüsselkompetenzen stärken, die in vollem Einklang mit der Strategie von Merck Millipore stehen.

Unternehmensbereich Performance Materials

Performance Materials

Die Nachfrage nach Hightech-Produkten im Allgemeinen und nach innovativen Displaylösungen im Besonderen verzeichnete in den vergangenen Jahren ein weltweit hohes Wachstum. Auch für die nächsten Jahre ist keine Abschwächung dieses Trends in Sicht. Vielmehr geht Merck davon aus, dass eine wachsende Mittelschicht in den Emerging Markets vermehrt solche Konsumgüter nachfragen wird. Daher will Performance Materials auch künftig seine Position als Markt- und Technologieführer bei den Flüssigkristallen verteidigen und nach Möglichkeit weiter ausbauen.

Da der typische Lebenszyklus von Liquid-Crystals-Mischungen unter drei Jahren liegt, bleiben Innovationen hierfür der wichtigste Erfolgsfaktor. Die Liquid-Crystals-Pipeline von Performance Materials ist mit neuen Technologien gut gefüllt – etwa Self-aligned Vertical Alignment (SA-VA), dem weiterentwickelten Fringe Field Switching (FFS) sowie mit Projekten, die über Displays hinausreichen.

Das zur Geschäftseinheit Advanced Technologies gehörende OLED-Geschäft von Merck ist 2014 überdurchschnittlich stark gewachsen. Performance Materials will sich im OLED-Markt weiter positionieren sowie mittel- und langfristig eine führende Rolle in diesem Marktsegment einnehmen. Dies setzt voraus, dass die bislang hohen Produktionskosten bei der Herstellung von OLED-Displays gesenkt werden. Der dafür notwendige Technologie- und Knowhow-Austausch wird auch künftig durch Partnerschaften mit anderen Unternehmen gewährleistet werden.

Mit der Übernahme von AZ Electronic Materials wurden das Portfolio und die Marktposition von Performance Materials nachhaltig gestärkt. Alle Integrationsmaßnahmen wurden 2014 erfolgreich umgesetzt; den bestehenden profitablen Geschäften wurde ein weiteres Premiumgeschäft hinzugefügt. AZ ist Hersteller hochreiner, innovativer Spezialchemikalien und Materialien zur Verwendung in integrierten Schaltungen (Halbleitern) und Geräten, in Flachbildschirmen und für den photolithographischen Druck. Performance Materials und AZ haben sehr ähnliche und attraktive Geschäftsmodelle. Sie basieren auf Innovation, Kundennähe, einem hohen Marktanteil und Profitabilität in den Wachstumsfeldern Displays, Halbleiter, Organische Elektronik sowie Beleuchtung.

In der Geschäftseinheit Pigments & Functional Materials konzentriert sich Merck weiter auf hochwertige Marken, die den Kunden einen Mehrwert bieten, sowie auf Marktsegmente mit Wachstumspotenzial. Dazu gehören Effektpigmente, beispielsweise für Autolacke, und funktionale Materialien, etwa für Lasermarkierungen.

Strategische Finanz- und Dividendenpolitik

Aus Gründen der Nachhaltigkeit verfolgt Merck eine konservative Finanzpolitik. Außer in einer soliden Bilanz mit transparenten und gesunden Strukturen schlägt sich diese Politik in der Wahl der Finanzierungsquellen, dem Liquiditätsmanagement, den wesentlichen Finanzkennzahlen, der Dividendenpolitik und dem Risikomanagement nieder. Merck erwirtschaftet einen hohen Business Free Cash Flow und die Verzinsung des eingesetzten Kapitals ist nachhaltig auf hohem Niveau.

Im Rahmen des laufenden konzernweiten Effizienzsteigerungsprogramms wurden liquide Mittel in den vergangenen Jahren mit hoher Priorität für Restrukturierungsmaßnahmen in sämtlichen Sparten, Geschäften und Regionen vorgehalten. 2014 wurden liquide Mittel dann insbesondere für die Übernahme von AZ Electronic Materials (Performance Materials) eingesetzt.

Auch für 2015 sind Einmalaufwendungen im Zusammenhang mit Restrukturierungsmaßnahmen sowie Kosten im Zusammenhang mit der Integration akquirierter Geschäfte veranschlagt. Mit der geplanten Akquisition von Sigma-Aldrich (Life Science) würden 2015 – bei erfolgreichem Abschluss der Transaktion – ebenfalls wieder liquide Mittel für inorganisches Wachstum eingesetzt werden. In den kommenden Jahren würden dementsprechend die Zurückführung der im Zusammenhang mit dieser Akquisition aufgenommenen Finanzschulden im Vordergrund stehen sowie die damit verbundenen laufenden Zinszahlungen. In diesem Fall könnten dann auch bereits erste Einmalaufwendungen für die Integration anfallen. Kleinere Akquisitionen (sogenannte Bolt-on-Akquisitionen) sind allerdings weiterhin nicht ausgeschlossen. Zudem wird Merck auch im Rahmen seines Transformationsprogramms „Fit für 2018“ in organische Wachstumsinitiativen investieren.

Merck verfolgt eine nachhaltige Dividendenpolitik. So bildet die aktuelle Dividende – eine stabile Entwicklung des wirtschaftlichen Umfelds vorausgesetzt – die Untergrenze für künftige Dividendenvorschläge. Die Dividendenpolitik orientiert sich an der Geschäftsentwicklung und der Ergebnissteigerung der kommenden Jahre. Das Dividendenwachstum kann jedoch einen abweichenden Verlauf nehmen, zum Beispiel im Rahmen von Restrukturierungen oder bei signifikanten weltwirtschaftlichen Entwicklungen. Merck strebt einen Zielkorridor von 20 – 25 % des Ergebnisses je Aktie vor Sondereinflüssen an.

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