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Trend/1 → Alternde Gesellschaft

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»Was man in der Jugend wünscht, hat man im Alter in der Fülle.« Dieses Goethe-Zitat können immer mehr Menschen an der Realität messen. Denn die Lebenserwartung steigt weltweit kontinuierlich an. Gleichzeitig sinkt die Geburtenrate. Im Leistungsportfolio von Merck spiegeln sich diese Entwicklungen wider – zum Beispiel in der Fruchtbarkeitsmedizin oder der Krebsforschung.

Fertilität → Geburtenraten und geburtenverteilung weltweit nach Länderregionen

Quelle: Vereinte Nationen, World Fertility Patterns 2013

Frauen bringen durchschnittlich immer weniger Kinder zur Welt.
Dabei wird die Fertilitätsrate in Asien voraussichtlich besonders stark sinken. Allerdings werden einer Prognose der weltweiten Geburtenverteilung im Jahr 2030 zufolge absolut betrachtet in Asien noch immer die meisten Kinder geboren werden.

„Fang mich doch!“, ruft Lovis und saust quer über den Spielplatz. Der kleine Henri rennt johlend seinem älteren Bruder hinterher. Die beiden Jungs halten ihre Eltern auf Trab. Doch bis zum heutigen Familienglück ist es für Silke (41) und Jens (44) ein schwerer Weg. „Mit etwa 30 fühlte ich mich bereit, ein Kind zu kriegen. Jens hatte damals zwar noch großen Respekt vor der Verantwortung, doch ich konnte ihn überzeugen. Allerdings wollte es mit der Schwangerschaft dann nicht klappen“, erzählt Silke. Dies hat einen medizinischen Grund: Eine Unterleibsentzündung, die sich Silke bereits mit 17 Jahren zugezogen hatte, hat die Eileiter verschlossen. „Auch wenn ich es schon geahnt hatte, war es ein Schock“, erinnert sich Silke. Nach vielen Gesprächen entschließt sich das Paar, es mit einer künstlichen Befruchtung zu versuchen. Eine gängige Methode ist dabei die In-vitro-Fertilisation (IVF), die Befruchtung außerhalb des Körpers. Die Eizellen werden nach dem künstlich ausgelösten Eisprung durch die Scheide entnommen und im Reagenzglas mit den Spermien zusammengebracht – anschließend werden sie wieder zurücktransferiert.

Befüllen gebrauchsfertiger Spritzen → unter Reinraum-Bedingungen in einem pharmazeutischen Betrieb von Merck in Darmstadt

„Die Behandlung dauerte drei Jahre, diese Zeit war nicht leicht für uns“, sagt Jens. Und Silke bestätigt: „Ich habe mich selbst enorm unter Druck gesetzt, litt unter Stimmungsschwankungen. Und die negativen Testergebnisse haben mich sehr traurig gemacht.“ Erst beim siebten Versuch heißt es auf einmal: „Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger!“ Der großen Freude über die Geburt von Lovis im Februar 2008 folgt ein erneuter Schock: Das Baby hat eine Gehirnblutung. „Nach einer schweren Zeit ist Lovis heute ein vergnügter, normal entwickelter Junge“, sind die Eltern erleichtert. Und einen kleinen Bruder zum gemeinsamen Toben hat er auch: Im Sommer 2011 kommt Henri zur Welt. Diesmal ist Silke direkt nach der ersten Stimulation schwanger. „Vielleicht lag es daran, dass ich nun viel entspannter war“, sagt sie heute. Silke und Jens erleben auf ihrem Weg zum Elternglück zwar eine „Achterbahnfahrt der Gefühle“. Doch letztlich ist die künstliche Befruchtung erfolgreich – und zwar gleich zweimal. „Das sind schon besondere Wunschkinder“, sind die beiden überzeugt – und blicken voller Stolz auf ihre quirligen Jungs.

Kinderglück durch Fruchtbarkeitsbehandlung

Die Erfahrungen von Silke und Jens sind wahrlich kein Einzelschicksal.

Etwa jede siebte Partnerschaft bleibt in Deutschland ungewollt kinderlos – wegen Fruchtbarkeitsstörungen. So wird die Sehnsucht nach dem eigenen Kind schnell zur Leidensgeschichte. Andererseits können sich viele Paare mithilfe der künstlichen Befruchtung ihren Kinderwunsch erfüllen. So liegt die Erfolgsquote der In-vitro-Fertilisation bei etwa 70 Prozent. Bei der Fruchtbarkeitsbehandlung ist die Hormontherapie von entscheidender Bedeutung. Als Weltmarktführer in der Fruchtbarkeitsmedizin bietet Merck Hormone für jede Phase des Reproduktionszyklus – von der Entwicklung der Eizelle bis ins Frühstadium der Schwangerschaft. Zudem entwickelt das Unternehmen in diesem Bereich zahlreiche Produkte, etwa einen computergestützten Test, der durch die Identifizierung von geeigneten Embryonen die Erfolgsaussichten einer Schwangerschaft erhöhen soll. Das Resultat der intensiven Forschung und Entwicklung: Bereits rund zwei Millionen Kinder kamen auch dank der Produkte von Merck auf die Welt.

„Fruchtbarkeitsstörungen können viele Ursachen haben, doch die häufigste ist das fortgeschrittene Alter“, sagt Prof. Dr. Heribert Kentenich vom Fertility Center Berlin. Vor allem in modernen Industrienationen stehen zunächst Karriere oder Selbstverwirklichung an erster Stelle, die Familienplanung zögern viele Paare hinaus – nicht selten zu lange. „Spätestens ab dem 30. Lebensjahr der Frau nimmt die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Schwangerschaft ab, und mit 40 ist die Chance nur noch sehr gering“, so der Mediziner. Dennoch ist der Trend klar: Immer weniger Frauen bekommen ihr erstes Kind vor dem 30. Lebensjahr.

Das Thema Unfruchtbarkeit ist natürlich nicht auf die westlichen Industrienationen beschränkt, doch in vielen Ländern wird es tabuisiert. Deshalb hat Merck in Indien im vergangenen Jahr eine große Aufklärungskampagne gestartet, um vor allem kulturell bedingte Hürden des Schweigens zu überwinden.

Silke und Jens → Silke und Jens haben ihre Kinder Lovis (r.) und Henri mit der Hilfe von künstlicher Befruchtung bekommen

»Spätestens ab dem 30. Lebensjahr der Frau nimmt die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Schwangerschaft ab, und mit 40 ist die Chance nur noch sehr gering.«

Prof. Dr. Heribert Kentenich → fertility center berlin

Höhere Lebenserwartung durch medizinischen Fortschritt

Die Geburtenrate nimmt weltweit ab, insbesondere in Ländern mit einem hohen Modernisierungsgrad und in den aufstrebenden Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung (siehe rechts), und es leben immer mehr Menschen auf der Erde, die immer älter werden. Diese Entwicklung bringt neue Herausforderungen mit sich. Das betrifft nicht nur die typischen Alterskrankheiten wie neurodegenerative Erkrankungen, die es zu bekämpfen gilt. Auch in jungen Jahren können Therapien gegen chronische Erkrankungen dabei helfen, dass Patienten länger erwerbstätig und gesellschaftlich aktiv sein können. Merck hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Multiple Sklerose Therapien anzubieten, die einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität leisten. Ähnliches gilt für die Krebstherapie: Dank der hochspezialisierten Biopharmazeutika können bereits viele Tumore bei rechtzeitiger Erkennung und Behandlung geheilt werden. Und mit neuen Ansätzen treibt das Unternehmen die Krebsforschung weiter voran, wobei der Fokus vor allem auf der Aktivierung des körpereigenen Immunsystems zur Abwehr von Krebszellen liegt. „Im Bereich Immunonkologie testen wir derzeit sehr intensiv in mehreren klinischen Studien für unseren Anti-PD-L1-Antikörper die Behandlungsmöglichkeiten unterschiedlicher Krebsarten, zum Beispiel von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, Eierstockkrebs oder dem Merkelzell-Karzinom, einer seltenen Form von Hautkrebs“, sagt Luciano Rossetti, Leiter der Globalen Forschung und Entwicklung bei Merck Serono. Zudem unterstützt Merck mit seinem Life-Science-Geschäft unter der Marke Merck Millipore mit einer breiten Palette an innovativen Materialien, Reagenzien, Testsätzen und Geräten den medizinischen Fortschritt. Ob Filtration, Probenvorbereitung oder zellbiologische Instrumente, ob in der Onkologie und Neurologie, der Molekularbiologie und Stammzellforschung oder bei Infektions- und Stoffwechselerkrankungen: Die vielfältigen Produkte von Merck erleichtern die Entwicklung und Herstellung neuer Arzneimittel deutlich.

Luciano Rossetti → Leiter der Globalen forschung und entwicklung bei Merck Serono

Hohe Lebensqualität im Alter

Älter heißt nicht zwangsläufig kränker. Im Gegenteil: Der Großteil der „neuen Alten“ fühlt sich länger fit. Sie sind aktiv, reisen, konsumieren und geben auf sich acht. Dem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein älterer Menschen wird Merck durch rezeptfreie Produkte zur Selbstmedikation gerecht. In Apotheken rund um den Erdball finden sie Präparate, die speziell auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Männern und Frauen im fortgeschrittenen Alter ausgerichtet sind – zum Beispiel die Seven-Seas-Perfect-7®-Produktserie, eine Kombination aus natürlichen Fischölquellen, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen. Auch dank derartiger Produkte freuen sich immer mehr Menschen über eine hohe Lebensqualität im Alter. Damit sie dabei auch noch gut aussehen, können sie auf Kosmetik-Wirkstoffe von Merck setzen: Substanzen, die vor UV-Licht schützen, der Alterung der Haut entgegenwirken und den Feuchtigkeitsgehalt regulieren. Falls die Fältchen dennoch nicht weichen, lassen sie sich mit einem hautfarbenen Pulver aus Silikat verdecken.

→ Geburtenrate sinkt
Global betrachtet lag die Fertilitätsrate Anfang der 1960er Jahre bei durchschnittlich 4,9 Kindern je Frau, im Jahr 2012 dagegen insgesamt bei 2,6 und in hoch entwickelten Industrieländern bei 1,6 Kindern. Nur 1,4 Kinder bringt eine Frau in Deutschland heute durchschnittlich zur Welt. Unterhalb des sogenannten Bestandserhaltungsniveaus von 2,1 Kindern je Frau schrumpft die Bevölkerungszahl. Im Weltvergleich hat der afrikanische Kontinent mit einem Wert von 4,4 die höchste Fertilitätsrate.

→ Lebenserwartung steigt und Weltbevölkerung wächst
Aktuellen UN-Studien zufolge wird die Weltbevölkerung von heute sieben Milliarden auf elf Milliarden Menschen im Jahr 2100 wachsen. Dabei entwickelt sich die Bevölkerung Afrikas besonders dynamisch: Sie wird in diesem Zeitraum vermutlich von heute einer Milliarde auf vier Milliarden Menschen steigen. Der Hauptgrund für das weltweite Bevölkerungswachstum liegt in der steigenden Lebenserwartung. Im Jahr 1900 betrug sie in Deutschland gerade einmal rund 45 Jahre. Heute werden dort geborene Mädchen im Durchschnitt 83, Jungen 78 Jahre alt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Lebenserwartung rund um den Globus – je nach Region auf unterschiedlichen Niveaus – weiter zunehmen wird.

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