Geschäftsbericht 2014 Geschäftsbericht 2014
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Trend/4 → Access to Health

Gesundheit
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Etwa 1,3 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu einer wirksamen und bezahlbaren Gesundheitsversorgung. Mit der unternehmensweiten Initiative »Access to Health« verfolgt Merck auf vielfältige Weise das Ziel, Zugangsbarrieren abzubauen – zum Beispiel mit einem Programm zur Bekämpfung der Tropenkrankheit Bilharziose.

Die Gefahr lauert im Wasser – beim Baden, Fischen oder Wäschewaschen. In stehenden Binnengewässern können die Larven des Saugwurms Schistosoma durch die Haut in die Blutgefäße des Menschen dringen und ihn infizieren. An dieser tropischen Infektionskrankheit leiden weltweit mindestens 240 Millionen Menschen, überwiegend in Afrika, aber auch in Teilen Südamerikas und Asiens. Die akuten Symptome pendeln zwischen Hautausschlag und lebensbedrohlichem Fieber. Langfristig leiden die Patienten an chronischen Entzündungen verschiedener Organe, was auch zum Tode führen kann. Bis zu 200.000 Infizierte sterben jährlich an den Folgen der Krankheit. Es ist ein Teufelskreis: Der Erreger befällt innere Organe wie Darm, Milz oder Leber. Dort entwickelt sich die Larve zum Wurm, dessen Eier über den Urin oder Kot des Infizierten wieder ausgeschieden werden. Eine Süßwasserschnecke dient nun als Zwischenwirt, indem aus den Eiern Larven werden, die sich wiederum in den Körper des Menschen bohren. Den Kreislauf durchbrechen kann der Wirkstoff Praziquantel, den Merck in den 1970er Jahren im Rahmen einer Forschungskooperation entwickelt hat. Ein Meilenstein in der Therapie der Wurminfektion, denn viele Millionen Menschen konnten von Bilharziose geheilt werden.

Frank Gotthardt → Leiter Public Affairs & Corporate Responsibility

»In einer starken Allianz wollen wir gemeinsam mit vielen verschiedenen Partnern dazu beitragen, Bilharziose weltweit zu bekämpfen.«

Mit einem groß angelegten Praziquantel-Spendenprogramm unterstützt Merck seit dem Jahr 2007 die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aktiv bei der Bekämpfung der gefährlichen Krankheit in Afrika. Bisher hat Merck der WHO rund 200 Millionen Tabletten gespendet. Insgesamt konnten über 54 Millionen Patienten behandelt werden - größtenteils Kinder. „Dennoch leiden weltweit weiterhin Millionen Kinder an Bilharziose. Die Krankheit hindert sie am Lernen und schwächt das Entwicklungspotential in den betroffenen Ländern. Wir wollen Kindern neue Chancen geben und zugleich wirtschaftliches Wachstum und eine bessere Zukunft ermöglichen“, sagt Stefan Oschmann, als stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung unter anderem verantwortlich für das Thema Corporate Responsibility. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, bedarf es einer ausgefeilten Logistik. Merck produziert das Medikament in Mexiko und transportiert es in Abstimmung mit der WHO und den jeweiligen Gesundheitsministerien über tausende Kilometer in die betroffenen Länder. „In einer starken Allianz wollen wir gemeinsam mit vielen verschiedenen Partnern dazu beitragen, Bilharziose weltweit zu bekämpfen“, sagt Frank Gotthardt, Leiter Public Affairs & Corporate Responsibility und verantwortlich für das Programm. Bei Kindern ist die Infektionsrate besonders hoch, und die Folgen sind besonders gravierend: Bilharziose reduziert das Wachstum und die Lernfähigkeit und führt zu Blutarmut. Das Problem: Für Kinder unter sechs Jahren ist das Medikament in seiner jetzigen Form nicht geeignet. „Gemeinsam mit internationalen Partnern entwickeln wir daher eine neue Praziquantel-Formulierung für Kleinkinder, die gerade in ersten klinischen Studien getestet wird“, sagt Jutta Reinhard-Rupp, Leiterin der Innovationsplattform Global Health bei Merck.

Bilharzioseverbreitung → über Mensch und Zwischenwirte

Der Saugwurm der Gattung Schistosoma der die Bilharziose verursacht,
lebt in stehenden Gewässern

Access to Health: Strategie mit vier Säulen

Das Praziquantel-Spendenprogramm von Merck, ist eine der vielen Aktivitäten im Rahmen der Initiative „Access to Health“. Merck nutzt die Kernkompetenzen des Unternehmens, um benachteiligten Bevölkerungsgruppen und Patienten in Entwicklungsländern Gesundheitslösungen zu bieten. Der bessere Zugang zu medizinischer Versorgung umfasst ein komplexes und breites Aufgabenspektrum: Die Erforschung, Entwicklung und Optimierung von wirksamen Arzneien, die Schaffung von effizienten Gesundheitssystemen und Vertriebskanälen, die Bereitstellung von bezahlbaren Produkten bis hin zur Ausbildung von medizinischem Personal und Aufklärung von Patienten. Die Strategie von Merck konzentriert sich auf vier Bereiche, die sogenannten 4A: Availability (Verfügbarkeit), Affordability (Bezahlbarkeit), Awareness (Bewusstsein) und Accessibility (Erreichbarkeit). „Verfügbarkeit“ betrifft lokal angepasste Gesundheitslösungen für den ungedeckten medizinischen Bedarf, „Bezahlbarkeit“ widmet sich Patienten, die für benötigte medizinische Leistungen nicht aufkommen können, „Bewusstsein“ dreht sich um Aufklärung durch Bildungs- und Schulungsmaßnahmen. So soll das Merck Capacity Advancement Program (CAP) in Afrika und Indien den Zugang zur und die Qualität der Diabetestherapie verbessern. „Erreichbarkeit“ zielt schließlich auf robuste Lieferketten, um eine patientennahe Betreuung zu ermöglichen.

Patienten stehen im Mittelpunkt

Diesen strategischen Ansatz würdigte die Access to Medicine Foundation in ihrem „Access to Medicine“-Index. Der Index der gemeinnützigen internationalen Stiftung bewertet alle zwei Jahre die Initiativen der wichtigsten Pharmaunternehmen zur Förderung des Zugangs zu Arzneimitteln in Entwicklungsländern. Im Jahr 2014 verbesserte sich Merck gegenüber 2012 um zwei Plätze auf Rang 6 (→ siehe auch Corporate Responsibility).

Stefan Oschmann → Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung

»Patienten stehen im Mittelpunkt all unseres tuns. Wir werden alles daran setzen, ihnen noch besser zu helfen und zugangsbarrieren weiter zu verringern.«

„Die erneute Verbesserung im Ranking zeigt, dass unsere vielfältigen Aktivitäten integraler Bestandteil unseres Unternehmensalltags sind. Patienten stehen im Mittelpunkt all unseres Tuns. Wir werden alles daran setzen, ihnen noch besser zu helfen und Zugangsbarrieren weiter zu verringern“, sagt Stefan Oschmann. Die Stiftung lobte neben dem Engagement gegen Bilharziose unter anderem ein neues Geschäftsmodell in Indien: Das Su-Swastha-​Pilotprogramm soll in den ländlichen Regionen Indiens den Zugang zu bezahlbaren Gesundheitsprodukten ausweiten.

Zugang zu Gesundheit → Vor allem in ländlichen Regionen von Entwicklungsländern
baut Merck Zugangsbarrieren ab

Fälschungssichere Gesundheitsversorgung

Die zahlreichen Projekte von Merck, die auf der Access-to-Health-Strategie basieren, tragen rund um den Globus Früchte – wobei die ländlichen Regionen von Entwicklungsländern klar im Fokus stehen. So hat Merck zum Beispiel eine „Rural Pharmacy“ entwickelt, eine Apotheke speziell für den ländlichen Raum Afrikas, die als Pilotprojekt in Ghana zum Einsatz kommt. Sie ist in einem 30 Quadratmeter großen Container untergebracht, der per LKW ohne großen Aufwand in ländliche Gebiete transportiert werden kann. „Wir bringen eine sichere Arzneiversorgung und eine kompetente Beratung direkt zur Landbevölkerung“, sagt Ronke Ampiah, Leiterin des Projekts „Rural Pharmacy“ bei Merck. Eine „sichere“ Versorgung heißt auch, dass es sich nicht um minderwertige oder gefälschte Arzneimittel handelt. Denn diese können zu einer tödlichen Gefahr werden, etwa wenn Patienten gegen die Tropenkrankheit Malaria völlig wirkungslose Medikamente einnehmen. Die Verpackungen sind weitgehend identisch, der Inhalt macht den Unterschied. Nach Schätzungen der internationalen Polizeiorganisation Interpol sind bis zu 30 Prozent aller Arzneimittel in Entwicklungsländern illegal, gefälscht oder von minderwertiger Qualität. Der von Merck getragene gemeinnützige Verein Global Pharma Health Fund (GPHF) hat sich dem Kampf gegen Arzneimittelfälschungen verschrieben. Das wirksamste Mittel: ein mobiles Mini-Testlabor, mit dem gefälschte Medikamente schnell und einfach nachgewiesen werden. Mithilfe von Vergleichsproben lassen sich Identität und Konzentration von insgesamt 75 Arzneiwirkstoffen testen, vom Antimalariamittel über Antibiotika bis zu Schmerz- und Fiebermitteln. Auch mit dieser Initiative trägt Merck dazu bei, den Zugang zu Gesundheit in Entwicklungsländern zu erleichtern.

mobiles Mini-Testlabor → gefälschte Medikamente können schnell
und einfach nachgewiesen werden

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