Geschäftsbericht 2014 Geschäftsbericht 2014
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Trend/3 → Digitalisierung

Kristallklare
Zukunft

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Die digitale Revolution beeinflusst unser Leben auf vielfältige Weise – vor allem als Nutzer von Kommunikationsmedien. Ob Smartphone, Laptop oder Flachbildfernseher: Als Markt- und Technologieführer im weltweiten Flüssigkristall-Geschäft treibt Merck die Entwicklung modernster Displays voran.

Die Technologie schreitet nicht fort, sie springt. Mit der Digitalisierung erleben wir derzeit einen atemberaubenden Umbruch. Das weltweite Datenvolumen verdoppelt sich alle zwei Jahre, die Rechnerleistungen brechen einen Rekord nach dem anderen. „Cloud-Computing“, „Big Data“ und „Internet der Dinge“ heißen die Schlagwörter, die die digitalen Debatten prägen. Als globales Kommunikations- und Informationsmedium verändert das Internet massiv den Alltag der Menschen – vom Konsumverhalten über den gegenseitigen Austausch bis hin zur Wissensvermittlung.

Produktion von Flüssigkristallen → in Atsugi, Japan

Die durch das Web ausgelöste Informationsexplosion sehen Sozialwissenschaftler als Basis eines modernen Demokratieverständnisses und Ökonomen als Wachstumstreiber. Die Echtzeit-Analyse relevanter Kunden- und Marktdaten mithilfe digitaler Technologien und der Online-Vertrieb sind für Unternehmen zu wichtigen Wettbewerbsfaktoren geworden. Längst hat das Internet durch Smartphone und Tablet-Computer Beine bekommen. Ein rasanter Wandel: Einst waren Mobiltelefone zahlungskräftigen Kunden vorbehalten, die mit den kiloschweren „Sprechknochen“ nebenbei ihren Bizeps trainierten. Heute wäre es für den Durchschnittsnutzer eine echte Herausforderung, einen Tag ohne Smartphone auszukommen. Die vernetzten Alleswisser sind „Mainstream“ und ständige Begleiter des modernen Menschen im „digitalen Zeitalter“.

Intuitive Steuerung der Displays

Das ist auch bei Mark Verrall nicht anders. Demonstrativ wischt er mit dem Zeigefinger über sein Display und sagt lächelnd: „Wir haben schon viel erreicht und werden noch viel mehr erreichen.“ Der promovierte Chemiker leitet bei Merck seit Kurzem die Forschung und Entwicklung der Display Materials. Bereits seit 25 Jahren ist er im Unternehmen und schreibt mit an der einzigartigen Erfolgsgeschichte der Liquid Crystal Displays (LCD) – wobei die „Wischgeste“ ein besonders spannendes Kapitel ist. „Erst die intuitive Steuerung per Touchscreen hat Smartphones und Tablet-Computer zu einem Massenphänomen gemacht“, ist Verrall überzeugt.

Wellenlängendispersive Röntgenspektroskopie → in einem Forschungslabor in Atsugi, Japan

»Erst die intuitive Steuerung per Touchscreen hat Smartphones und Tablet-Computer zu einem Massenphänomen gemacht.«

Mark VerralL → Leiter Forschung und Entwicklung der Display Materials

Wer über seine Bedienoberfläche streicht, lässt mit hoher Wahrscheinlichkeit Flüssigkristall-Moleküle von Merck Ballett tanzen – das Darmstädter Unternehmen bedient rund 60 Prozent des Weltmarkts. Das Besondere der Technologie: Flüssigkristalle sind Zwitter zwischen einer Flüssigkeit, deren Moleküle sich ungeordnet durcheinanderbewegen, und Kristallen mit einer strengen molekularen Ordnung. In der Flüssigkeit richten sich die stäbchenförmigen Moleküle aus wie ein Fischschwarm und reagieren auf die elektromagnetischen Wellen des Lichts. Durch Anlegen elektrischer Spannung verändern sie also ihre Orientierung – und damit die Lichtdurchlässigkeit.

Forschung → in einem Labor von EMD Performance Materials in Branchburg, USA

»Wir schaffen Mehrwert durch neue Produkte für Halbleiter mit nie dagewesener Leistungsfähigkeit.«

Rico Wiedenbruch → Leiter Integrated Circuit Materials

Erfolg durch enge Partnerschaften

Lange Zeit sieht niemand die erstaunliche Karriere der bereits im Jahr 1888 entdeckten Flüssigkristalle voraus. Ende der 1960er Jahre entwickeln Forscher von Merck zwar schon die Vision flacher Bildschirme, doch bis zur Umsetzung dauert es noch. Zunächst verrichten die Flüssigkristalle in LC-Displays von Taschenrechnern oder Digitaluhren ihren Dienst. In enger Zusammenarbeit mit den Kunden – Elektronikunternehmen, vor allem in Japan – trieb Merck die technologische Entwicklung voran. Das Resultat jahrzehntelanger Erfahrung: Die Flüssigkristalle von Merck erzeugen brillante, kontrastreiche, gestochen scharfe Bilder und ermöglichen schnelle Bildfolgen von Filmen oder Animationen. Sie sind in ultraflachen Großbildfernsehern ebenso zu finden wie in Mobiltelefonen, elektronischen Spielzeugen oder Digitalkameras. Durch Partnerschaften mit den überwiegend asiatischen Display- und Endgeräteherstellern hat sich Merck als weltweiter Technologie- und Marktführer etabliert. Zusätzlich sollen strategische Akquisitionen die erfolgreiche Zukunft sichern, wie die Übernahme von AZ Electronic Materials zeigt. „Das Unternehmen liefert Spezialchemie für weitere Displaykomponenten und passt damit perfekt in unser Portfolio“, sagt Mark Verrall. Durch die Akquisition ist die neue Geschäftseinheit Integrated Circuit Materials entstanden, die Rico Wiedenbruch leitet. „Unsere Kunden fordern laufend neue Materialien für eine weitere Miniaturisierung und Kapazitätssteigerung der Halbleiter. Wir schaffen für sie Mehrwert durch neue Produkte für Halbleiter mit nie dagewesener Leistungsfähigkeit“, so Wiedenbruch. Der Chemiker ist überzeugt: „Solche Produkte können sehr profitabel sein und innerhalb weniger Jahre eine starke Marktposition erreichen.“

MIKROSKOPTRÄGER → IN EINEM PHYSIKALISCHEN FLÜSSIGKRISTALL-FORSCHUNGSLABOR IN ATSUGI, JAPAN

Mark Verrall

»Das sind alles Innovationen, zu denen die zukunftsweisende Materialentwicklung von Merck beigetragen hat, und der Markt entwickelt sich mit steigender Geschwindigkeit weiter.«

Immer größer, immer schärfer

Doch zurück zu den Flüssigkristallen. In der schnelllebigen Elektronikbranche ist es ein großes Thema, den Energiehunger der Geräte zu reduzieren und die Akkulaufzeiten zu verlängern. Die neue Ultra-Bright-FFS-Technologie von Merck sorgt dafür, dass die Flüssigkristallschicht 15 Prozent mehr von dem Hintergrundlicht durchlässt und es für die Bilddarstellung nutzt. Auf diesem Weg verbrauchen die Geräte 30 Prozent weniger Energie. In der Unterhaltungselektronik jagt eine Innovation die nächste. Vor allem die Fernsehbildschirme werden immer größer und schärfer. So ist etwa Ultra HD als Nachfolger des Full-HD-Standards an den Start gegangen und bietet eine ultrahohe Auflösung. Dabei bedeutet die Steigerung der Pixelzeilen von bisher 1.080 auf 2.160 eine Vervierfachung der Pixelanzahl von rund zwei auf acht Millionen. Gekrümmte Bildschirme und Computermonitore sollen ebenfalls eine verbesserte Bildqualität liefern. Die Begründung: Da die Pixel an den Rändern der bisherigen Flachbildschirme weiter vom Zuschauer entfernt sind als die in der Mitte, können die Perspektiven leicht verzerren. Im Gegensatz dazu bietet die neue „Curved“-Technologie ein räumlicheres Filmerlebnis.

Neue Anwendungen am Start

„Das sind alles Innovationen, zu denen die zukunftsweisende Materialentwicklung von Merck beigetragen hat, und der Markt entwickelt sich mit steigender Geschwindigkeit weiter“, sagt Mark Verrall und nennt noch mehr Beispiele: Großes Potenzial hätten etwa die organischen Leuchtdioden (OLED), deren Entwicklung Merck ebenfalls aktiv vorantreibt. In vielen Mobiltelefonen sind OLEDs bereits im Display enthalten, in Fernsehbildschirmen sind sie auf dem Vormarsch. Die organischen Leuchtdioden leuchten selbstständig, benötigen also keine zusätzliche Lichtquelle. Die Bildschirme bieten unter anderem eine gleichmäßige Ausleuchtung und einen starken Kontrast. Völlig neue Möglichkeiten könnten nach Ansicht des Entwicklungschefs künftig flexible OLED-Displays eröffnen, die sich biegen, falten oder zusammenrollen lassen. „Die Prototypen sind sehr dünn, leicht und trotzdem robust. Außerdem verfügen sie über eine besondere Leuchtkraft“, sagt Verrall. So ließe sich vielleicht bald ein Smartphone aufklappen und in einen Tablet-PC verwandeln. Außerdem sind mit den flexiblen Displays viele weitere Anwendungen denkbar – von der Armbanduhr über die Anzeigetafel bis zum Dekorationselement im Haus. Eine futuristische Optik könnten künftig Gebäude ausstrahlen, die mit Fenstern auf Basis der Flüssigkristalltechnologie von Merck ausgestattet sind. Die Liquid Crystal Windows bestehen aus zwei im Abstand von einigen Mikrometern miteinander verklebten Glasscheiben. Durch das Anlegen einer geringen elektrischen Spannung lässt sich die Lichtdurchlässigkeit des Fensters sekundenschnell und stufenlos von Hell nach Dunkel regulieren. Das optimal gesteuerte Licht- und Temperaturmanagement kann somit die Energieeffizienz deutlich erhöhen. Die Hightech-Fenster werden ohne großen Aufwand in herkömmliche Fenster integrierbar sein.

Mark Verrall möchte gerade zum nächsten Beispiel ansetzen, als sein Smartphone summt – der nächste Termin ruft. Die permanente Erreichbarkeit ist eben zugleich Fluch und Segen der Digitalisierung. Verrall könnte noch viele weitere Beispiele für Zukunftstechnologien aus dem Hause Merck nennen – eindrucksvolle Belege für einen sprunghaften Fortschritt.

Displaying Futures 2014 → Stimmen von Teilnehmern

„Welchen Einfluss haben innovative Display-Lösungen auf die Architektur und das Leben der Menschen in den Städten?“ Das diskutierten Experten auf dem Symposium „Building Innovation – Displaying Architecture“, das Merck im November 2014 in Schanghai ausrichtete. Zu den Rednern zählten Adam Greenfield, Doreen Heng Lui, Amish Patel und Tim Edler (ihre Statements finden Sie auf dieser und der folgenden Seite). Das Symposium ist Teil der „Displaying Futures“-Initiative, die Merck 2011 ins Leben gerufen hat. Sie schafft Räume der Begegnung, des interdisziplinären Austauschs und der gegenseitigen Inspiration für Display- und Materialhersteller, Designer, Architekten, Künstler, Wissenschaftler und Experten aus anderen Bereichen. Das Ziel ist es, Szenarien jenseits rein technischer Ansätze zu entwickeln. Diese zeigen, wie sich die sich ständig ändernden Bedürfnisse des Menschen, beispielsweise in Bezug auf Kommunikation und Mobilität, auf die Eigenschaften von Displays auswirken und wie sich die Display- und Materialhersteller schon heute darauf einstellen können. 2015 wird das Symposium in den USA und damit erstmals außerhalb Asiens stattfinden.

»Für uns als Architekten liegt die Herausforderung darin, bei der Gestaltung Materialien zu verwenden, die gleichzeitig nachhaltig, energieeffizient, repräsentativ und kostengünstig sind. WIR SIND DAHER PERMANENT AUF DER SUCHE NACH NEUEN PRODUKTEN, DIE UNS DABEI HELFEN KÖNNEN, DIESE ZIELE ZU ERREICHEN.«

Doreen Heng LIU, NODE →

NODE (Nansha Original DEsign oder NO Design) wurde Anfang 2004 gegründet. Es ist ein kleines und hochwertiges Architekturstudio am Perlflussdelta. Derzeit arbeiten dort zehn Architekten und Designer. Doreen Heng Liu ist die Chef-Architektin.

Amish Patel, Microsoft →

Der Design Producer bei Microsoft untersucht, wie sich Schnittstellen zu menschlichen Nutzern und Interaktionssprachen sowohl in der Software als auch in der Hardware entwickeln müssen.

»Die Zukunft der Kommunikation zwischen digitaler und realer Welt wird durch den Einsatz von großen wie kleinen Displays vereinfacht.«

»Sobald mediale Elemente nicht mehr als außergewöhnliche Hingucker wahrgenommen werden, die sich durch ein Höchstmaß an Intensität in allen Bereichen – Farbe, Geschwindigkeit, Auflösung, Inhalt, Erzählung, Kosten, Energie – auszeichnen, sollten sich die digitalen Medien in die Architektur integrieren – mit sehr viel geringerer Intensität, aber größerer Fläche.«

Tim Edler, realities:united →

Im Jahr 2000 gründeten die Brüder Tim und Jan Edler realities:united, ein Studio für Kunst, Architektur und Technologie. Sie entwickeln und unterstützen Architekturlösungen, die sich neuer Medien und Informationstechnologie bedienen.

Adam Greenfield, Urbanscale →

Der amerikanische Autor und Stadtplaner ist Gründer und Geschäftsführer von Urbanscale. Das New Yorker Studio widmet sich der Gestaltung von urbanen Systemen.

»Wir entwickeln Werkzeuge, die einem bestimmten Zweck dienen. wir setzen sie in der Welt ein, und die Welt formt sich um ihre Präsenz herum, wodurch neue Wünsche, neue Anforderungen, neue Risiken und neue Möglichkeiten entstehen.«

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